3. Das Vertrauen
3. Vertrauen
„Was ist, wenn ich meinem Partner und mir nicht vertrauen kann?“
Zu vertrauen ist keine Frage von Können. Wenn Du es nicht könntest, bräuchtest Du nicht weiter darüber nachzudenken. Unsere oft gestellte Frage: „Vertraust Du Deinem Partner?“ ist eine Konfrontation mit Dir SELBST und könnte auch lauten: „Vertraust Du Dir SELBST so, dass Du ihm/ihr vertraust?“ Du lernst im Anderen, Dir Selbst zu vertrauen.
Oft ist es aber so, dass der Partner das eigene Misstrauen ausgleichen soll. Das funktioniert begrenzt, für maximal drei Wochen. Dann erfüllt er/sie irgendeine Erwartung nicht, welches Du als „Vertrauensmissbrauch“ wertest, und schon findest Du Dich in Deinem eigenen alten Misstrauen bestätigt.
„Aber wie kann ich mein Misstrauen loswerden?“
Gar nicht, denn Du vertraust immer. Vertrauen ist das Pendel auf einem Kontinuum, dessen Endpunkte sind Dein „Höheres Selbst“ und deren Mittelpunkt ist Dein Misstrauen, angereichert mit Zweifeln, Ängsten, negativen Erfahrungen, Bedenken. Es gibt kein Selbstmisstrauen, nur Selbstvertrauen, d. h., wenn Du misstraust, dann vertraust Du auf Dein Misstrauen. Dann schwingt Dein Pendel allerdings nur noch sehr schwach, hört irgendwann ganz auf zu schwingen und steckt fest im Sumpf des Misstrauens.
Die Wahrscheinlichkeit, sich nach einer Enttäuschung, einem sogenannten „Vertrauensbruch“ zurückzuziehen, ist groß, das machen Alle. Und je mehr Enttäuschungen erlebt wurden, desto größer ist die Rechtfertigung für den Rückzug.
Bis Du Dich wieder verliebst.
Plötzlich fühlst Du Dich befreit, losgelöst, und bist im wahrsten Sinne des Wortes wieder beschwingt. Du glaubst, Du vertraust dem Anderen. Wahr ist, dass Du Dir Selbst im Anderen wieder vertraust. Und dann glaubst Du, dass der Andere ab jetzt auch vollständig all Deine Erwartungen erfüllt. Doch das wäre ein„Deal“, der schon auf Misstrauen basiert. Dann vertraust Du nämlich nicht mehr ihm oder ihr, sondern du vertraust auf die Erfüllung Deiner Erwartungen und dass diese Erwartungserfüllung Dich glücklich macht.
Dein Partner wäre dann eine Erwartungserfülllungsmaschine, mehr nicht. Und dafür, dass er das ist, würdest Du ihn/sie sogar ablehnen, wenn nicht verachten.
„Wie kann man einen solchen Konflikt lösen?“
Am besten in einem Training (z. B. Liebeleben/ Iris v. Stosch ), da Du dann die Möglichkeit hast, Dir wertfrei Deine innersten Überzeugungen anzuschauen und aufzulösen. Diese haben meistens gar nichts mit dem Partner direkt zu tun, sondern sind oft ein Familienerbe, Vorwürfe gegen deine Eltern oder Glaubenssätze, die du übernommen hast. Eine Überzeugung war in diesem Fall, dass Männer Frauen nur ausnutzen. Kam er spät, war er Ausbeuter, wenn er tat, was sie wollte, war er ein Hampelmann.
Dass Du Dich von einem Hampelmann sexuell nicht angezogen fühlst, eigentlich gar nicht begehrt werden willst, ist selbstverständlich. Also, wenn die Sexualität in Eurer Partnerschaft nachgelassen hat, kannst Du sicher sein, dass Ihr beide eine negative Meinung übereinander habt, die Ihr Euch zwar nie in Worten sagen würdet, aber die Ihr lebt, durch wenig bis keinen Sex.
Doch die Wahrheit, die Du nicht anerkennst, wirst Du leben müssen. Sich von dieser Meinung für immer zu verabschieden, die oft schon generationsübergreifend gelebt wird, ist sehr befreiend und erfüllend. Sie eröffnet eine Partnerschaft, wie es sich viele überhaupt nicht mehr vorstellen können, sich aber sehnlichst wünschen. Stell Dir vor, Du bist frisch verliebt und das andauernd. Unvorstellbar oder möglich.
„Was ist, wenn der Andere seine Vereinbarungen nicht einhält?“
Dann seid Ihr in der Konfliktphase oder auch Kommunikationsphase genannt. Das Nicht-Erfüllen einer Vereinbarung beinhaltet immer eine Botschaft über etwas, was dem anderen schon vorher nicht gefallen hat. Im Beziehungstraining beschrieb eine Frau, dass ihr Mann immer später nach Hause käme. Dabei hätten sie vereinbart, abends gemeinsam zu essen. War er pünktlich zu Hause, beschwerte sie sich über den langweiligen und anstrengenden Alltag mit dem Baby. Sie hatte die unausgesprochene Vorstellung, dass er dieses Ungleichgewicht durch „selbstverständliche Mitarbeit im Haushalt“ ausgleichen müsse.
Das war nicht vereinbart. Hätte er das gewusst, hätte er die Familienplanung nach hinten verschoben, da er sich um seine Karriere kümmern wollte. Nun war er gefangen. Half er mit, dann bestätigte er mit seinem Handeln, dass sie eigentlich im Nachteil war und er nur ein Ungleichgewicht ausglich, also noch nicht einmal Anerkennung dafür bekam; half er nicht mit, gab es Ärger und Vorwürfe, dass er sich nur um seine Karriere kümmere. Diesem Konflikt ging er im wahrsten Sinne des Worte aus dem Weg, indem er immer später kam.
